Samstag, 26. Mai 2012

Künstlerschicksal 1


Viermal schlechte Kunst in acht Tagen und niemand, den ich näher kennenlernen will. Aber das merke ich erst beim Schreiben, nachdem es nicht weiter geht nach dem Weiß an Weiß-Text und nach dem Rückblick auf die F**kgeschichten. Da wollte ich zuerst zurückblicken darauf, wie ich vor etwa einem Jahr angefangen habe, über Kunst und über Künstler zu schreiben und dann habe ich nach einer halben Seite angefangen, mich zu langweilen. Umstände, Umstände, aber keine Geschichte. Ohne zu überlegen, habe ich darauf noch weiter zurückgegriffen, dem Titel folgend: Kill Your Darlings. Wenn ich schon mal beim Schreiben von Anfang an einen Titel habe! Dann lese ich in einem Interview mit René Pollesch, dass er im Frühjahr in Berlin ein Stück inszeniert hat und das Stück heißt Kill Your Darlings. Das geht mich normalerweise nichts an, was der Pollesch macht, und Kill Your Darlings ist ein Spruch aus meinem Leben, meinem früheren Leben als Drehbuchautor. Aber der Schwung ist weg, den mir der Titel gegeben hat. Und mehr Schwung habe ich nicht, weil nach dem Rückblick-Text ist streng genommen schon alles getan, was ich mir vorgenommen hatte unter dem Titel Kill Your Darlings. Die gestellte Frage ist beantwortet. Ganz einfach, es ist wie damals: Mach dein Eigenes und kümmere dich nicht darum, was die anderen machen. Zugleich ist mir aber auch klar geworden, dass ich nicht aufhören werde, im Blog über Kunst zu schreiben. Nur so wie bisher geht es nicht mehr. Denn als ich nun anfange, von der vielen schlechten Kunst zu erzählen und dem, was ich erlebt habe mit ihren Künstlern in den acht Tagen, sind es wieder nur Umstände und eine Geschichte darin kann ich nicht finden. Bis auf die von der Frau, Künstlerin und Kuratorin, die mit einem so überhöhten Selbstbewusstsein auftritt, dass ich schon dachte, das ist der lange gesuchte Stoff für eine Komödie. Aber dann sehe ich, wie sie an einem Sonntagnachmittag einen fuchsähnlichen kleinen Hund an einer Leine durch die von ihr kuratierte Ausstellung führt, und da ist es mir doch zu einfach und zu durchsichtig. Außerdem würde es schon wieder – zum dritten Mal hintereinander - um die Verständnislosigkeit zwischen mir und einer Frau gehen und es könnte der Eindruck entstehen, dass ich was gegen Frauen habe, ein Frauenverächter und –feind bin, misogyn. Bin ich nicht, will ich nicht sein. Und wenn es so wäre, dann würde ich es für mich behalten und die Regung im Stillen mit allen Mitteln bekämpfen, so wie ich therapeutische Hilfe suchen würde, wenn ich plötzlich ein mehr als menschliches Interesse an kleinen Mädchen bei mir beobachten würde.

Die Frau mit dem überhöhten Selbstbewusstsein hatte in einem Künstlerverein eine Ausstellung initiiert und organisiert, die anders als mit einem überhöhten Selbstbewusstsein gar nicht zu realisieren gewesen wäre. 47 (!) Künstler brachte sie zusammen in drei Containern aus weißem Styropor. White Cubes nannte sie die Container in Anspielung an Ihr wisst schon wen. Jeder Künstler hat sein eigenes Fach, einen 26 x 34 x 44 cm großen Guckkasten mit einem bullaugenförmigen Fenster, hinter dem er seine eigene Ausstellung in der großen Ausstellung veranstalten kann. Doch nicht jedem ist dazu etwas eingefallen. Manche haben es einfach nur hinter sich gebracht, wie die Kuratorin selbst; in ihrem Guckkasten zeigt sie ein Foto, das auch auf ihrer Website zu sehen ist: ein Steinhaufen und davor tief in den Boden gedrückt die Reifenspuren eines Nutzfahrzeugs, das man sich denken kann in seine Wuchtigkeit, wenn man die breiten Reifenspuren sieht. Ein anderer Künstler hat alles weiß gelassen und an die Rückwand seines Guckkastens hat er Leer geschrieben. Leer! Haha. Wie dämlich! denke ich und gleich darauf lerne ich den Künstler kennen, weil er hinter mir steht und mich beobachtet, als ich seinen Guckkasten fotografiere. Er erzählt, dass er gerade eine Einzelausstellung hat in der Kommunalen Galerie, vor wenigen Tagen eröffnet. Ich bin nicht hingegangen, weil ein Künstler, der es schafft, eine Ausstellung bewilligt zu kriegen in einer Kommunalen Galerie von einem Kulturamt, das ist ein Künstlerschicksal, das mich nicht interessiert. Aber nun steht er vor mir, ich mache Fotos von ihm, beim zweiten murrt er, als ich es ihm zeige, mit dem dritten ist er zufrieden. Ich erwähne meinen Blog. Wir tauschen unsere Karten. Ich erzähle ihm, dass ich kurz überlegt hatte, zu seiner Vernissage zu gehen. Ich erzähle ihm nicht, warum ich nicht hingegangen bin. Nachdem ich ihn nun kennengelernt habe, werde ich mir seine Ausstellung anschauen und danach werde ich mich bei ihm melden, sage ich, als wir uns verabschieden.   


Kunst: Ó Franziska Rutishauser, Christoph Damm / White Cubes update12

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