Donnerstag, 2. Februar 2012

Palaver

Auf dem Treppchen vor dem Laden von Oleg steht ein Mann und ist auffallend individuell gekleidet. Das ist Oleg auch, aber nicht so elegant wie der Mann vor seiner angelehnten Ladentür. Die Eleganz des Mannes ist eine, die man nicht kaufen kann. Jedenfalls nicht hier. Deshalb bleibe ich zweimal stehen, nachdem ich an ihm vorbei gegangen bin, und überlege, ob ich zu im zurück soll und ihn fragen, ob ich ihn fotografieren darf. Die Zukunft des Blogs sind Leute wie er. Aber zweimal gehe ich weiter. Zu kalt für ein Palaver auf der Straße und ich will nicht die Handschuhe ausziehen, was ich müsste, um die Kamera zu bedienen, wenn er ja sagt. 

Mein Gesellschaftsleben findet heute bei Reichelt statt, weil es auf der Straße zu kalt ist, sage ich zur Kubacki, als ich mich zu ihr an die Kasse stelle, nur um mit ihr zu reden, denn ich habe noch gar nichts eingekauft. Es ist das erste Mal, dass wir uns beim Einkaufen treffen. Ich sage, dass ich Rosenkohl essen möchte, sie geht darauf ein. Man kann bestimmt gut mit ihr über alles Mögliche reden. Aber unser Gespräch kommt nicht in Fluss. Das kann daran liegen, dass wir noch keinen gemeinsamen Ton gefunden haben. Oder dass sie mir nicht traut wegen des Blogs, nur das Nötigste sagt und so muss ich das Gespräch mit Fragen in Gang halten. Da die Fragen nur diesen Zweck haben, ist es gleichgültig, was sie darauf antwortet. Nur eine Antwort würde mich interessieren. Als wir auf Peter Lindenberg zu sprechen kommen, sagt sie, dass er ihr erzählt hat, dass wir uns getroffen und ich über ihn geschrieben habe. – Und? Hat er was gesagt, wie er das Treffen fand und was ich geschrieben habe? – Nö. - Sie würde lieber barfuß nach Hause gehen bei der Kälte, als auch nur eine Andeutung zu machen, wie Peter sich geäußert hat. Und ganz sicher hat er sich geäußert. Aber sie ist entweder (vorbildlich) diskret. Oder jemand, der auch sonst nicht viel sagt. Oder sie will kein vertrautes Gespräch mit mir, weil sie es nicht hinterher im Blog lesen will, was sie gesagt hat. Das kann ich verstehen. Also warum habe ich es überhaupt versucht? Warum habe ich sie nicht einfach nur gefragt, ob ich ihre pinkfarbenen Gummistiefel fotografieren darf, mit denen ich sie heute bereits zum zweiten Mal gesehen habe. Pinke Gummistiefel und alles andere schwarz: Mantel schwarz, Pullover schwarz, Hosen schwarz, die Hosen über den Stiefeln getragen, die Stiefel halbhoch, denke ich mir, ohne einen Anhaltspunkt dafür zu haben. Wieder erst hinterher darauf gekommen, dass ich die pinken Stiefel hätte fotografieren sollen. Die Zukunft des Blogs sind die pinken Gummistiefel. 


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